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„Green Bio Fuels“ - ist grün nur der Vorname?

Von Thomas, geschrieben am 24.03.2010

Sich seine Fassade „grün“ anzumalen gehört heute zum Marketing-Repertoire der meisten Konzerne. Wichtig scheint dabei vor allem zu sein, dass diese Farbe weithin sichtbar, grell-grün leuchtet, wobei gerade solche Farben manchmal die Tendenz haben, ökologisch sehr unverträglich zu sein – wenn man ihrer Stoffzusammensetzung auf den Grund geht. Soviel zu diesem Thema im übertragenen Sinne. So hat, etwas konkreter nun, z.B. Mac Donalds tatsächlich seine Logofarbe von rot auf grün gewechselt und Starbucks wirbt seit neustem mit Max Havelar Kaffee. Bei solchen Umstrukturierungen dürfte sich in den meisten Fällen rund um den klitzekleinen Kern einer – ich will dies ich nicht in Abrede stellen – guten Tat, ein riesengrosser Ballon der Imagepflege aufblasen. Es sind dies Ballone grell-grüner Farbe mit unbekannter chemischer Stoffzusammensetzung. Eine Firma, die ein solches Image dermassen nötig hat, sich „Green Bio Fuels“ zu nennen,  und damit schon im Firmennamen mit den beiden Wörtern „green“ und „Bio“ gleich doppelt auf ihre ökologische Integrität verweisen will, löst bei mir einiges Misstrauen aus. Was natürlich nicht alleine zur Vorverurteilung reicht.

Besagte Firma will in Bad Zurzach (AG) eine Raffinerie für sogenannte Agrotreibstoffe bauen. Kapazität: 130 Mio Liter (Umgerechnet auf z.B Raps = 100'000 Hektaren Ackerbaufläche = Ein Viertel der Schweizer Ackerbaufläche). Rohstoff: Die Jatropha Pflanze, importiert aus Mosambik in Afrika. Verschiedene Studien bezweifeln stark, dass eine ökologisch sinnvolle und sozial vertretbare Produktion von Treibstoffen aus dieser Pflanze möglich ist. Dass die Agrotreibstoff-Produktion in den meisten Fällen die Nahrungsmittelproduktion konkurrenziert, ist eine weithin bekannte Tatsache. Je nach Pflanze und Produktionsland kann dieses Problem lediglich etwas stärker oder weniger stark ins Gewicht fallen. Die Firma „Green Bio Fuels“ hat auf diese Vorwürfe auf ihrer – übrigens etwas handgestrickt wirkenden – Website eine schon fast humorvoll einfache Antwort parat: „Die Früchte der Jatropha-Pflanze sind nicht essbar – daher konkurrenzieren wir die Nahrungsmittelproduktion nicht“.

Jatropha

Immerhin scheint es so zu sein, dass die Jatropha Pflanze auch an trockenen Standorten gedeiht, wo manche Nahrungs-Pflanze nicht überleben könnte. Doch es ist fraglich, ob für eine effiziente Produktion von Jatropha-Öl tatsächlich solche Standorte ausgesucht würden, oder ob dieses Argument letztlich ebenfalls eine Augenwischerei ist. Ich kann diese Frage selbst nicht abschliessend beantworten, doch ich bleibe sehr kritisch. Die Gemeinde Bad Zurzach hat der Firma Green Bio Fuels im Februar die Baubewilligung für die Raffinerie erteilt. Ob es sich wohl lohnen würde, bei der Gemeindeverwaltung nachzufragen, ob sie im Besitz einer Auswertung zur ökologischen und sozialen Vertretbarkeit dieses Projekts von einer unabhängigen Stelle ist? Für diese und andere neugierige Fragen gäbe es die Mailadresse gemeindeverwaltung@badzurzach.ch.

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