Portrait von Thomas Marty Bookmark and Share

„Bünzli-Garten“: Ein Auslaufmodell?

Von Thomas, geschrieben am 21.12.2009

Nach wie vor ist der herausgeputzte Einfamilienhaus Garten, der mehrheitlich aus einer alle 2 Wochen gemähten Rasenfläche besteht und von einer rechteckig geschnittenen Thuja-Hecke umrahmt ist, ein weit verbreiteter Schweizer Standard. Dabei gäbe es eigentlich so einige Gründe, die dagegen sprechen würden. Zum einen könnten etwas origneller und naturnaher gestaltete Gärten in einer Gegend, in der sich landwirtschaftliche Fettwiesen und Siedlungsgebiete abwechseln, Lebensräume für viele Arten, ja sogar eine Miniatur-Ausgabe der sogenannten „Biodiversity-Hotspots“ darstellen. In einer Gegend also, wie zum Beispiel dem Schweizer Mittelland. Derjenige, dem das kindliche Entdeckerauge noch nicht abhanden gekommen ist, würde schnell vor der eigenen Terassentüre erstaunt feststellen, dass da mehr ist, als das Gänseblümchen. Vielleicht der Buntspecht, der uns eins vortrommelt, oder die Goldwespe, die - in bewährter Kuckucksmanier - der Wildbiene ein Ei ins Nest schmuggelt. Oder selbige Wildbiene, die das langsam geschnallt hat und ihr Nest mit einer Panzertür aus Lehm verschliesst. Interessiert die Leute das nicht?

 


Ich habe den Test gemacht: an der Promenade am See in Zürich, dort wo Banker, Kioskfrauen und Lebenskünstler mittags ihr Sandwich verdrücken, habe ich 250 Leuten Fotos von 36 Gärten gezeigt. Die Frage war simpel - wie schön sind diese Gärten denn so? Und was haben sie mehrheitlich gewählt? Die naturnaheren Gärten waren schöner, die artenreichen Gärten waren es auch. Dem oben genannten Bünzli-Standard wurde eine Abfuhr erteilt, der Stempel war klar und deutlich sichtbar, sozusagen auf den frisch gemähten Rasen gedrückt: „Langweilig!“. Sie glauben das nicht? Ich konnte es auch fast nicht glauben, aber so war es, für die Statistiker unter Ihnen, mit 99,7 prozentiger Sicherheit. Hätte der Buntspecht davon gehört, er hätte uns womöglich ein Schlagzeugsolo hingelegt! Das Schweizer Volk findet also den Naturgarten toll? Fast etwas ungläubig lasse ich meinen Blick über die Quartiere schweifen. Ja und wo sind sie denn?

Irgendetwas muss da noch sein, irgendetwas, das die Leute daran hindert, ihre Gärten so zu machen, wie sie es doch am schönsten fänden. Um den Geheimnissen auf die Spur zu kommen, muss man sich vielleicht etwas ins Feld der Psychologie vortasten. Psychologe bin ich nicht, doch so ein paar ganz interessante Dinge habe ich trotzdem gefunden. Psychologisch äusserst geschickt werde ich Ihnen davon aber erst ein anderes Mal erzählen. Für heute noch soviel: Ich habe nichts gegen das Gänseblümchen! Falls das einen anderen Anschein gemacht hat, entschuldige ich mich dafür in aller Form und rehabilitiere damit das Blümchen, das uns doch sagt, ob wir geliebt werden! ;-)

 

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  • Angst vor Löwen

    16:22, 14.02.2010 von Heidi Portmann

    Das Stammhirn des Menschen sieht im hohen Gras, also in der blumigen Wiese, immer noch die Gefahr eines im hohen Steppengras versteckten Löwen, der nächstens angreift.

    Der Mensch will in seinem «Heim», unbewusst natürlich, nicht von gefährlichen Tieren wie Tiger, Krokodilen, Schlangen, Skorpionen, die im Gestrüpp und unter Steinen lungern, überrascht, getötet und gefressen werden. Deshalb der saubere Garten mit geschorenem Rasen, wo er jede Blattlaus, jede Wanze, jede Schnecke entdecken und töten kann.