Portrait von Tobias Hollenstein Bookmark and Share

Wer hat’s erfunden? – Keinen Interessiert’s

Von Tobias, geschrieben am 26.12.2009

Seit der letzten Abstimmungsrunde ist das „Minarett“ aus den Medien nicht mehr weg zu denken. Es scheint, als wäre das Thema nach dem Ausgang interessanter als davor. Wie die überraschende Annahme der Initiative zu deuten ist, dazu wurden bereits hunderte Zeitungsartikel abgedruckt. Ob dabei ein Problem gelöst oder geschaffen worden ist, bleibt jedoch offen. Was aber sicher ist: Bei diesem ganzen Tohuvabohu um das Minarett rückte die zweite Initiative völlig in den Hintergrund: Das Waffenexport-Verbot.

Die Vorlage war chancenlos. Analysten zufolge zeigte sich das Stimmvolk mit dem klaren Nein vor allem solidarisch mit den rund 5000 Arbeitnehmenden; und das, obwohl ein Hilfsprogramm über 10 Jahre geplant gewesen wäre. Die Schweiz ist ein Teil der globalen Handelskette und als solcher vom Ausland abhängig. Vom Reissverschluss bis zur Haselnuss-Schokolade sind wir Schweizer auch stolz darauf. Lautstark wird verkündet, dass wir es waren, welche die Riccola Kräuterbonbons erfunden haben und damit einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen Husten und Halsschmerzen auf der ganzen Welt leisten. Über unsere Waffen existieren allerdings keine Produktwerbungen.

Wiese ist das so? Waffen tauchten in unserer Gesellschaft weit vor dem Minarett auf, und doch interessiert sich niemand dafür, woher sie kommen. Weder derjenige, der sie führt und schon gar nicht das Opfer. Dabei hätte die Schweiz mit dieser Initiative viel bewirken können. Z. B. dass indische Kinder nicht mehr mit Schweizer Waffen herumlaufen. Das Gute am Waffenexport ist, dass die Lieferanten nicht für Opfer verantwortlich gemacht werden. Hinzu kommt die grosse Distanz. Dinge, die in der Nachbarschaft passieren, sind von grösserem persönlichem Interesse, weder irgendwelche Konflikte in einem entfernten Land. Dabei hat es sich bei der Initiative um eine Grundsatzfrage gedreht. Die Frage lautete: „Kann ich es mit meinem Gewissen vereinbaren, dass mein Heimatland am Krieg anderer verdient?“

Die Schweizer Stimmberechtigten haben mit der Anti-Minarett-Initiative gezeigt, dass sie die Praktiken des Islams ablehnen und nichts damit zu tun haben wollen. Der Export Schweizer Waffen in Krisenregionen in der islamischen Welt geht indes weiter: Im Jahr 2008 besonders nach Saudi-Arabien, ein Land wo das Recht der Scharia vorherrscht und nach Pakistan, eine Atommacht. Haben wir uns mit diesem Abstimmungskombo, ja zu Waffenexport und nein zu Minarett, wirklich einen Gefallen getan? Fragen Sie Ihr Gewissen.

 

Minarett Panzer


 Schreib einen Kommentar!

Name:
Email:
Website:
Titel:
Bist du ein Mensch? Antworte mit Ja