Politik soll nicht das Hobby einer unnahbaren Minderheit von alten grauen Herren sein! Politik betrifft uns alle und beeinflusst unser Leben Tag für Tag. Wir von politakt versuchen mit unseren Projekten, Jugendliche und junge Erwachsene - hauptsächlich mit Hilfe von Konzerten und originellen Strassenaktionen - auf die uns wichtigen politischen Problemfelder aufmerksam zu machen. Dabei nehmen wir uns die Freiheit, klare Stellung zu den einzelnen politischen Vorlagen zu beziehen. Der Verein politakt versteht sich als vollkommen unabhängig von sämtlichen politischen Parteien und Organisationen.
Angefangen hat alles, als ein paar politisch interessierte Jugendliche im Umfeld der ETH und der Universität Zürich beschlossen, zwei Konzerte für die Initiative "Strom ohne Atom" in Pfäffikon und Wil auf die Beine zu stellen. Zusätzlich wurden in verschiedenen Städten wie Rapperswil, Wattwil, Zürich, Wil und St.Gallen Flyeraktionen durchgeführt. Da die Projekte auf sehr grosses Echo stiessen und die Konzerte ein voller Erfolg waren, wurde dieses Vorgehen in einer ähnlichen Form gegen die Avanti-Initiative wiederholt. Da auch diese Aktionen sehr erfolgreich verliefen und im Verlaufe der Projekte weitere Mitglieder dazugekommen sind, beschlossen wir, einen Verein namens politakt zu gründen. Mittlerweile hat politakt bereits zehn Konzerte und zahlreiche weitere Aktionen zu verschiedenen Abstimmungen und Wahlen organisiert.
Gedanken eines Auswanderers zur Einwanderungspolitik der SVP
Von Emanuel, geschrieben am 06.02.2010
Als Schweizer in Italien ist man der Einfachheit halber oft „lo svizzero“. Emanuele's oder kurz Manu's gibt es viele hier, Schweizer bin ich meist der einzige den die Leute kennen. Und alle fragen, warum zum Teufel du nach Italien gezogen bist. Die Schweiz gilt als kleines Paradies, sauber, aufgeräumt, mit violetten Kühen, die auf knallgrünen Wiesen zwischen Holzchalets Käse produzieren. Deren Einwohner werden als herzige, korrekte, und vor allem reiche Leutchen gesehen, in einem durchorganisierten und funktionierenden System. In der Schweiz ist das Geld, die Arbeit, die Gesundheit. Und auch wenn ich immer mal wieder probiere, dieses Bild ein bisschen zu berichtigen, ertappt man mich doch immer wieder dabei, dass ich zu korrekt, zu genau, zu pünktlich sei - come sei svizzero! Da stellt sich die Frage: Soll man sich anpassen oder seine „Tugenden“ behalten?
Dabei habe ich es noch gut, bin ich doch freiwillig ausgewandert, die Sprache sprechend, und mit einheimischen Freunden, die mich in das Leben hier einführten und erklärten wie es hier so funktioniert, was man macht und was eben auch nicht. Auch ist Norditalien von der Schweiz nicht so weit entfernt, und einiges haben die Schweizer wohl auch von der italienischen Kultur übernommen, die von den Gastarbeitern seit der Nachkriegszeit in die Schweiz getragen wurde.
Im Gegensatz dazu hat es wohl die Mehrheit der Einwanderer in der Schweiz um ein vielfaches schwieriger. Viele hatten wahrscheinlich gar keine andere Wahl, als ihre Heimat zu verlassen. Ob das nun wegen Kriegswirren ist, oder auch nur wegen fehlenden Aussichten auf Geld, Arbeit, und Gesundheit macht im Endeffekt keinen Unterschied. Oft finden sie sich dann in einer anderen Kultur wieder, ohne auch nur einen Einheimischen zu kennen, der ihnen diese erklären könnte. Sie sprechen die Sprache vielleicht nicht oder nur bruchstückhaft, was es praktisch unmöglich macht, die Regeln im neuen, andersartigen Land zu verstehen, oder auch nur von Integrationsprogrammen zu erfahren. Die Traditionen der Heimat werden so schnell zu den einzigen Fixpunkten, an denen man sich halten kann, kein Wunder verzögert sich die Anpassung. Und woher soll man denn wissen, dass im eigenen Land so wichtige Bräuche oder Umgangsformen im neuen vielleicht als Affront gelten? Wie erlernt man gesellschaftliche Eigenheiten ohne diese erklärt zu bekommen, wenn man aus völlig anderen Kulturen stammt?
Würd mich interessieren wie sich die Integrationsabschaffer der SVP verhalten würden, würden sie mal auch nur für eine Weile ins Ausland ziehen. Würden sie ihre so geliebten „schweizerischen Tugenden“ behalten? Oder würden sie sich anpassen, wie sie das von den „Ausländern“ in der Schweiz fordern? Auf Deutsch. Ohne Integrationskurse, in denen überhaupt erst mal erklärt wird, WIE man sich anzupassen hat.
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Voller Tatendrang sind wir momentan daran, weitere Projekte in Angriff zu nehmen. Hauptsächlich werden wir uns weiterhin auf Abstimmungsvorlagen zu den Themen Gesellschaftspolitik und Umweltpolitik konzentrieren. Wie bisher versuchen wir, mit bestehenden Komitees zusammenzuarbeiten und ihre Tätigkeiten mit unseren Anlässen zu komplettieren. Zudem wollen wir die Zusammenarbeit mit Umweltschutz- und Entwicklungsorganisationen ausbauen.

schweizerische Tugenden
11:03, 17.02.2010 von Silvia Kündig
Lieber Emanuel
Interessant, was du erlebst und schreibst - gratuliere!
In "jungen" Jahren bin ich ein knappes Jahr teilweise allein durch Südamerika gereist und habe die sozialen Unterschiede (98%:2% - verhältnis der Besitzenden und der Bewohner)kennen gelernt. Ich war als Rucksacktouristin eine Gringa und fühlte mich nicht weiter ein- oder ausgeschlossen.
Als ich im Schmelztigel NYC im 86/87 eine Certifikatsausbildung in Laban Bewegungsanalyse absolviert habe, fühlte ich mich dann doch öfter als Ausländerin, was mir gar nicht gut bekam, und ich pflegte regen Kontakt mit ein paar Schweizerinnen, die ich kennen gelernt habe. Und dies ist bestimmt noch kaum mehr als eine Spur von dem gewesen ist, was Menschen mit anderem kulturellem Hintergrund bei uns in der Schweiz zu erleben haben.
Da braucht es immer wieder eine Bewusstseins-Arbeit, zu der dein Text beiträgt. Und als grüne Politikerin trage ich ebenfalls zur Öffentlichkeitsarbeit bei (Ringvorlesung an der PH Solothurn im März 10 zu "Grüne Politik und Umgang mit der Heterogenität")
Weiterhin viel Denk-Mut wünsch ich dir herzlich! Silvia
Menschälet
17:07, 14.02.2010 von Judith Thaler
Hallo Emanuel
Menschen sind sich alle irgendwie ähnlich, würden plötzlich ganz viele Schweizer nach Italien auswandern, gäbe es dort Schweizerclups :-) ich bin mal nach Südafrika "ausgewandert" mit 19 jährig, und die Freizeit hab ich zum grossteils mit Schweizern verbracht, wobei, wenn es eine Grillparty gab, waren auch die Nachbarn eingeladen, und alle Schweizer konnten nach kurzer Zeit etwas Englisch. Ich kenne aber viel Italiener, (hab im Spital gearbeitet) die sind 20 Jahre hier, und können nicht mal erklären, was ihnen weh tut. Deutschkurse gibts hier aber schon lange. Klar, das hat einen Hintergrund, und ich finde es gut und wichtig, das alle Menschen offen zu andern Menschen sind, zu Menschen, die nicht der Norm angehören. Aber, ich denke, es ergeben sich immer Probleme, wenn sich zu viele Einwanderer in einem Land niederlassen.
Als ich, vor über 30 Jahren die Abschlussklasse besuchte, gabs bei uns zwei Ausländermädchen, eine Italienerin, und eine Türkin. Das war total gut und schön. Die Mädchen waren beliebt in unserer Klasse, und wir hatten alle immer ein gutes Verhältnis miteinander.
Eine Bekannte von mir hatte ihr Kind in der Einfürhungsklasse, und das Kind sagte einmal zu ihr: ich bin nicht gern dort, niemand versteht mich, sie war das einzig schweizer sprechende Kind.
Leben ist komplex, Gesellschaft ist komplex, und darum müssen wir differenziert hinschauen. Wenn du als ein schweizer Exot dir in Italien freiwillig die grösste Mühe gibst, dich zu integrieren, dann ist das toll, aber es gibt auch viele Menschen mit andern Geschichten, Hintergründen.
Erwähnen möchte ich, dass ich eine Grüne bin, seit wohl 26 Jahren, ( bin heute 52jährig) dass ich mich für Menschen Interessiere, und das ich versuche differenziert zu denken, und auch sehr selbstkritisch bin. Ich denke, jeder Mensch ist ein bischen ein "Rassist" und das hat wohl auch gute Gründe, ich finde es aber auch sehr wichtig, das jeder Mensch andere Menschen nicht aufgrund einer Zugehörigkeit oder Anderstartigkeit beurteilen sollte, sondern immer möglichst offen ist, auch für neues, anderes. Wir haben sicher auch viel gelernt, und lernen hoffentlich noch mehr, von Menschen mit andern Kulturen. Ich wäre oft auch gern offener, wie es viele Südländer sind.